Unser Nachbericht zur 69. DACH-Tagung in Istanbul
Im Rahmen der diesjährigen DACH-Tagung in Istanbul widmete sich eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde einem Thema, das die juristische Praxis zunehmend prägt: dem Rechtsschutz im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz. Unter dem Schwerpunkt „Intellectual Property und Wettbewerb“ wurden aktuelle Entwicklungen, regulatorische Herausforderungen und strategische Implikationen für Kanzleien und Unternehmen beleuchtet.
Ein zentrales Thema war die Frage nach der urheberrechtlichen Einordnung KI-generierter Inhalte. Generative Systeme erstellen heute Texte, Bilder, Musik oder Softwarecode in beeindruckender Qualität. Doch wem stehen die Rechte an diesen Ergebnissen zu? Diskutiert wurde insbesondere, ob und inwieweit KI-generierte Werke urheberrechtlich schutzfähig sind oder ob es weiterhin einer menschlichen Schöpfungshöhe bedarf. Die Referierenden betonten, dass die bestehenden urheberrechtlichen Kategorien an ihre Grenzen stoßen und eine differenzierte Betrachtung erforderlich ist.
Unsere Vortragenden
- Dr. Christian Strasse (HEUKING)
- Micaela Schork (TIGGES Rechtsanwälte)
- Gordian Deger (QIVIVE)
- Marie-Avril Roux-Steinkühler (MARS - IP)
- Dr. Daniel Zimmerli (Wenger Plattner)
Urheberrecht und Trainingsdaten: Neue Herausforderungen für das IP-Recht
Ebenfalls intensiv erörtert wurde die Nutzung urheberrechtlich geschützter Trainingsdaten. Viele KI-Modelle basieren auf umfangreichen Datenmengen, die potenziell geschützte Inhalte enthalten. Hier stellt sich die Frage nach Lizenzierungspflichten, Schrankenregelungen und möglichen Vergütungsansprüchen. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass insbesondere für international tätige Unternehmen eine sorgfältige Risikoanalyse unerlässlich ist, da die Rechtslage in Europa, den USA und anderen Jurisdiktionen teils erheblich divergieNeben dem klassischen IP-Recht spielte auch das Wettbewerbsrecht eine zentrale Rolle. Diskutiert wurden etwa Marktverzerrungen durch datengetriebene Plattformen, Fragen der Transparenz von KI-Systemen sowie mögliche kartellrechtliche Implikationen bei der Bündelung großer Datenbestände. Gerade im Kontext des europäischen AI Act wurde deutlich, dass Regulierung nicht nur innovationshemmend wirken darf, sondern zugleich faire Wettbewerbsbedingungen sichern soll.
Wettbewerb, Regulierung und strategische Beratung
Die Diskussion in Istanbul machte deutlich: Der Rechtsrahmen für KI befindet sich in einer Phase dynamischer Entwicklung. Für die anwaltliche Beratungspraxis bedeutet dies, Mandantinnen und Mandanten nicht nur bei der Durchsetzung oder Abwehr von IP-Ansprüchen zu begleiten, sondern auch strategisch bei der Implementierung und Nutzung von KI-Systemen zu beraten.
Die Tagung unterstrich damit einmal mehr die Bedeutung eines grenzüberschreitenden Austauschs innerhalb des DACH-Netzwerks – gerade bei Zukunftsthemen, die das Recht nachhaltig verändern werden.
Downloads zur Tagung
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Dr. Christian Strasse (HEUKING)Was macht die DACH in Istanbul? Von Iustinian nach Mitteleuropa und wieder zurück
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Micaela Schork (TIGGES Rechtsanwälte)Vom Code zum Kodex. Die neue KI-Verordnung
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Gordian Deger (QIVIVE)Schutz vor Nachahmungen durch das Rechtsinstitut des parasitisme im französischen Recht
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Marie-Avril Roux-Steinkühler (MARS - IP)Künstliche Intelligenz in der Kultur- und Kreativwirtschaft oder Dr. Jekull und Mr. Hyde
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Dr. Daniel Zimmerli (Wenger Plattner)Künstliche Intelligenz und Kartellrecht – eine Schweizer Perspektive

